Unfälle in Europa im Jahr 1998

(Mindestens 3 getötete und 6 verletzte FA)

Hinweis: in der Statistik sind auch Unfälle enthalten die bisher nicht veröffentlicht wurden. Daher kann es vorkommen, dass die Gesamtzahl der betroffenen FA die Summe der in den Berichten erwähnten übersteigt.


1998 - fünf tödliche Unfälle in den FF in NRW (davon einer unter Atemschutz)

1998 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 2171 freiwillige Feuerwehrangehörige verletzt. Fünf FA starben im FF-Dienst!

Die tödlichen Unfälle...

Quelle: Innenministerium NRW und zuständige FUK (Düsseldorf)

- Kellerbrand - extremes Brandphänomen - Desorientierung - ein getöteter und drei verletzte FA

(bl) Donaustauf (Bayern). Zu einem gemeldeten Kellerbrand (Brand einer Sauna) rückte die zuständige Feuerwehr Donaustauf aus und traf sieben Minuten nach Alarm mit einem vollbesetzten LF 16/12 ein. Unwesentlich später folgte ein TSF der Nachbarfeuerwehr Sulzbach. Wenige Minuten später folgten LF 8 und MZF. Während der Suche nach dem Feuer werden zwei Trupps von einer Durchzündung überrascht. Ein Kamerad stirbt. Drei weitere Feuerwehrmänner erlitten zum Teil schwere Verbrennungen, u.a. an freien Hautstellen (Jackenärmel) und im Hals- und Ohrenbereich, da keine Feuerschutzhauben getragen wurden.

Von Friedrich Schmid (Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Donaustauf)

Der Gruppenführer ordnete an, dass sich vom LF 16/12 ein zweiter Trupp mit Pressluftatmern ausstatten sollte. Der dritte Trupp sowie die Kameraden aus Sulzbach brachten den Drucklüfter ca. 3 m vor der Haustür in Stellung, um ein Ausbreiten des Rauches beim Öffnen der Kellertür zu verhindern. Der Angriffstrupp des LF 16/12 ging mit einem formstabilen Schnellangriff, zudem mit Feuerwehrleine gesichert über den Treppenraum in das Kellergeschoss vor. Ein Funkgerät (FuG 10) war vorhanden. Auf halber Höhe wurde auf dem Treppenabsatz eine Tür vorgefunden. Nach dem Öffnen der Tür konnte mit Hilfe des Drucklüfters der Treppenraum weitgehend rauchfrei gehalten werden.

Im Kellergeschoss konnten sich die Feuerwehrmänner nur kriechend bewegen. Die Hitze war sehr groß und der Rauch so dicht, dass eine Orientierung nicht möglich war. An der Decke knisterte es, als würde dort eine Holzdecke brennen. Der Trupp versuchte durch Anspritzen der Decke mit Sprühstrahl eine Verbesserung zu erzielen. Die Brandstelle wurde nicht gefunden. Eine Sprechfunkverbindung nach außen war von unten nicht möglich, weshalb sich der Trupp in den Treppenraum zurückzog, um dem Gruppenführer die Rückmeldung zu geben. Zwischenzeitlich hatte der Gruppenführer mehrfach versucht, mit dem Angriffstrupp über Funk Kontakt aufzunehmen. Da keine Verbindung zustande kam, wurde der Sicherheitstrupp als Angriffstrupp mit C-Rohr eingesetzt. Die Aufgaben des Sicherheitstrupps übernahmen Atemschutzgeräteträger des LF 8 und der Freiwilligen Feuerwehr Sulzbach. Somit standen zwei Sicherheitstrupps bereit.

Der zurückgehende erste Angriffstrupp und der vorgehende zweite Trupp trafen sich im unteren Treppenabschnitt. Bis zum Treppenabsatz auf halber Höhe konnte man sich ohne Atemschutz aufhalten. Nach Absprache mit dem Gruppenführer (auf dem Treppenabsatz) erhielt der zweite Trupp den Auftrag, ein Kellerfenster zu öffnen, was von außen nur schwer möglich war (Lichtschächte mit Einbruchschutz). Sie gingen mit C-Rohr, Fangleine und Sprechfunkgerät in den Fitnessraum auf der linken Seite vor. Über Funk erhielten sie die Information, dass sich ein Kellerfenster hinten rechts im Raum befindet. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Trupp mittig auf der linken Seite im Fitnessraum (vgl. auch Lageskizze).

Der erste Angriffstrupp drang mit dem S-Rohr erneut in den Fitnessraum vor und orientierte sich rechts in Richtung Sauna. Christian Sendlbeck ging als Truppführer rechts vom Strahlrohr. Als sie sich in Höhe des offenen Durchgangs zum Saunaraum befanden, verstärkte sich das Knistern an der Decke und es wurde unerträglich heiß. Der Truppführer des zweiten Trupps forderte aufgrund der großen Hitze und eines leichten Fauchens zum sofortigen Rückzug auf.

Unmittelbar danach füllte eine Flammenwand den gesamten Kellerraum. Alle vier Feuerwehrkameraden standen kurze Zeit vollständig in Flammen. Ob zu diesem Zeitpunkt oder kurz vorher die Trennscheibe von der Sauna zum Fitnessraum zerbrach, konnte später nicht mehr festgestellt werden. Die Feuerwalze schoss aus dem Fitnessraum über die offene Tür in den Treppenraum, überrollte den auf dem Treppenabsatz wartenden Gruppenführer, Kommandanten und stellv. Kdt. und war bis zum Hauseingang sichtbar. (Anm.: Das Brandphänomen trat 25 Minuten nach der Alarmierung ein).

Die beiden Kameraden des zweiten Trupps fanden den Ausgang nach wenigen Versuchen. Die mitgeführte Feuerwehrleine war hierbei jedoch nicht hilfreich, da sie sich verklemmt hatte. Die beiden Kameraden des ersten Trupps wurden durch die Flammen voneinander getrennt. Daraufhin musste Christian Sendlbeck wohl einen Schritt weiter in den Saunaraum gegangen sein. Vermutlich fand er wegen der Duschabtrennung den Ausgang nicht mehr. Der zweite Mann konnte sich mit dem S-Rohr nach draußen retten. Nach der Rettung der sich auf der Treppe befindlichen Führungskräfte und eines Feuerwehrkameraden aus dem Keller wurde zunächst davon ausgegangen, dass sich noch drei Kameraden im Keller aufhalten müssten. Sofort wurden über Funk Notärzte und Rettungswagen angefordert. Dann stellte sich aber heraus, dass bis auf Christian Sendlbeck alle den Keller verlassen hatten. Unmittelbar nach Abklingen der Stichflamme wurden die beiden Sicherheitstrupps -ergänzt mit einem dritten Mann - zur Suche eingesetzt. Auch der zweite Mann von Christians Trupp beteiligte sich nach Flaschenwechsel an der Suche. Zu diesem Zeitpunkt war auch der Kellervorraum stark verraucht.

Der erste Sicherheitstrupp suchte im Vorraum rechtshand den Bereich ab. Dabei geriet er auch über die offenstehende Tür in den Heizungsraum. Danach gingen sie in den Fitnessraum und hielten sich auch hier rechts. Im Durchgang zum Saunaraum war die Hitze so stark, dass sich der Trupp dort nicht aufhalten konnte. Deshalb suchte er den Fitnessraum auf der rechten Seite ab. Der zweite Sicherheitstrupp suchte den Fitnessraum auf der linken Seite ab. Der Keller war mit schwarzem Rauch bis auf den Boden gefüllt. Eine Orientierung war nicht möglich.

Zwischenzeitlich hatten die Feuerwehrkameraden das Kellerfenster im Saunaraum aufgebrochen und löschten von außen. Aus dem Kellerfenster schlugen ca. 2 m lange Flammen. Dichter, schwarzer Rauch, der auch im Freien stark reizend war, drang aus dem Fenster. Durch die Entrauchungsmöglichkeit über das Fenster konnte dann der erste Sicherheitstrupp in den Saunaraum vordringen. Er fand den vermissten Christian hinter der Duschwand am Boden liegend. Helm und Maske waren abgenommen.

Auf Zuruf beteiligte sich auch der zweite Sicherheitstrupp sowie ein zwischenzeitlich eingetroffener Atemschutztrupp aus Tegernheim an der Rettung. Auf halber Kellertreppe wurde dem Verunglückten der Pressluftatmer abgenommen. Innerhalb kürzester Zeit standen mehrere lntensivmediziner der Universität und eines privaten Rettungsdienstes zur Verfügung. Der lntensivhubschrauber war bereits sechs Minuten nach der Alarmierung in der Nähe der Einsatzstelle, trotz Dunkelheit gelandet Die mit schweren Brandverletzungen am Hals, an den Ohren- und im Unterarmbereich betroffenen Kameraden wurden umgehend mit Rettungswagen in Regensburger Krankenhäuser gebracht.

Christian Sendlbach wurde um ca. 18.50 Uhr den Notärzten übergeben und durch optimale medizinische Betreuung reanimiert. Er wurde nach längerer Behandlung im Intensivhubschrauber in die Universitätsklinik Regensburg geflogen. Trotz aller Bemühungen wurde gegen 20.00 Uhr sein Tod festgestellt Die CO-Vergiftung war zu groß.

Aufgrund der Rückmeldung (nach der Durchzündung) wurden auf Weisung des Kreisbrandrats Waldemar Knott, der über Funk die Meldung mitgehört hatte, die Kräfte der Alarmstufe 2 sowie der Feuerwehrarzt alarmiert. Er selbst fuhr sofort zur Einsatzstelle und kam fast zeitgleich um 18.52 Uhr mit dem Kreisbrandinspektor an. Die Rettungsleitstelle hatte aufgrund der Alarmmeldung neben den Notärzten, Rettungswagen und dem Organisatorischen Leiter auch den Notfallseelsorger alarmiert. Er traf kurze Zeit nach dem Kreisbrandrat an der Einsatzstelle ein. Die Kameraden der benachbarten Feuerwehren aus Neutraubling, Sarching und Tegernheim übernahmen den weiteren Einsatz, so dass die Kräfte aus Donaustauf und Sulzbach abgelöst werden konnten.

Im Gerätehaus warteten alle Kameraden auf die Meldung aus dem Krankenhaus. Nachdem Pfarrer Schmid die Todesnachricht überbracht hatte, blieben viele bis gegen 1.00 Uhr im Gerätehaus, um nicht mit der Trauer alleine sein zu müssen. Besonders tragisch war, dass auch die Schwester des verunglückten Kameraden als aktive Feuerwehrdienstleistende an der Einsatzstelle war. Die Trauerfeier und Beisetzung des Kameraden Christian erfolgte unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und aller 177 Feuerwehren des Landkreises und der Stadt Regensburg. Der stv. Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes, Stadtbrandrat Josef Aschenbrenner, überbrachte die Anteilnahme aller bayerischen Feuerwehren.

Anmerkungen des damaligen Kommandanten, Friedrich Schmid:

Die Kriminalpolizei ermittelte nach dem Brand neben der Brandursache auch nach einem eventuellen schuldhaften Fehlverhalten der Führung und der Mannschaft. Zuerst war für uns der Gedanke daran sehr belastend. In guter Zusammenarbeit mit der Polizei konnte jedoch bei den Feuerwehrkameraden Verständnis für die Arbeit der Kripo geweckt werden. Belastend waren in den Folgetagen die Diskussionen und Gerüchte in Feuerwehr- und Rettungsdienstkreisen, die von Fehlverhalten, mangelnder Sicherheit, unzureichender Schutzkleidung und von zu langen Suchzeiten sprachen. Wer von diesen Personen war an der Einsatzstelle? Wer kann nachvollziehen, unter welchem Zeitdruck die sechs Kameraden, später noch unterstützt von Kräften aus Tegernheim, den Christian im Keller gesucht haben? Die Verwendung von Wärmebildkameras bringt nur dann Vorteile, wenn der Raum ohne Hindernisse und Einbauten ist. Um die Ecke kann man auch hier nicht sehen. Die Verwendung der Fangleine als Sicherung zusätzlich zum Schlauch ist problematisch, da sie sich in dem Schlauchwirrwarr vor der Eingangstür verhängen kann. Für Suchtrupps ohne Schlauch ist sie jedoch unverzichtbar. Sichergestellt werden muß die Verbindung zwischen den beiden Truppmitgliedern. Die Sicherung der Atemschutzrupps nur mit einem C-Schlauch ist dann nicht mehr gegeben, wenn der Kontakt zum Schlauch verloren geht. Wie stellt man die Verbindung von den Feuerwehrangehörigen mit dem Schlauch sicher? Bei der Atemschutzausbildung sollte ein Notfalltraining unbedingt berücksichtigt werden. Richtig ist der in Hessen eingeschlagene Weg, die Atemschutzgerätetrager auch heißen Übungen im Brandübungshaus auszusetzen. Wann wird dieses Konzept an den bayerischen Feuerwehrschulen eingesetzt? Alle im Brandraum vom Feuer überraschten Kameraden berichteten übereinstimmend, daß in einer solchen Situation mit Todesangst nur ausgiebig trainierte Verhaltensweisen zum Überleben geführt haben. Logisches Denken ist nicht machbar. Selbst beste Technik hätte in diesem Fall nicht geholfen. Sie wiegt im Gegenteil die Atemschutzgerateträger nur in einer Sicherheit, die es bei einem Feuerwehreinsatz einfach nicht gibt. Nach einem so schweren, belastenden Einsatz müssen alle Feuerwehrkameraden zusammenstehen und mit Unterstützung der Nachbarfeuerwehren wieder zu einem geordneten Ausbildungs- und Einsatzdienst kommen. Es ist aber sehr schwer.

Verbrennungen linke Kopfseite Verbrennungen rechte Kopfseite Verbrennungen an den Unterarmen
Verletzungen ca. 2 Wochen nach dem Brand

Verbrennungen am linken Unterarm
Verletzungen ca. 6 Wochen nach dem Brand

Quelle: Friedrich Schmid, ehem. Kommandant der Feuerwehr Donaustauf und Feuerwehrseelsorge.de

23. Januar 2018 - 20 Jahre nach dem Brand

Zum 20. Gedenktag veröffentlichte das Wochenblatt den Artikel Donaustaufer Feuerwehr erinnert an ihren Kameraden. Eine Zusammenfassung finden Sie hier:

Die Feuerwehr Donaustauf pflegt eine Tradition, zu Ehren des verstorbenen Kameraden. An jedem 23. Januar eines Jahres gehen die Kameraden der Feuerwehr Donaustauf mit Fackeln an das Grab von Christian Sendlbeck. Anschließend wird mit der Familie ein gemütlicher und geselliger Abend im Gerätehaus, mit allen Kameradinnen und Kameraden durchgeführt. Neben jungen Einsatzkräften, die ihn nicht mehr kennen lernen durften, sind auch die Kameradinnen und Kameraden dabei, die mit ihm im Einsatz waren. Genau diese Feuerwehrangehörigen, die damals mit im Innenangriff waren, sind auch heute noch im aktiven Einsatzdienst, auch als Atemschutzgeräteträger. 20 Jahre nach dem Unfall, keine Selbstverständlichkeit. Eine Aufarbeitung des Erlebten hat in Donaustauf funktioniert.

Der Unfall vor 20 Jahren hat vieles verbessert und ein höheres Ausbildungsniveau erreicht. So absolviert jeder Atemschutzgeräteträger eine Realbrandausbildung. Da die Lehrgangsplätze im Brandhaus der Staatlichen Feuerwehrschule begrenzt sind, wird dieses Training von privaten Anbietern eingekauft. "An der Ausbildung, an dem ein Leben hängt, sollte genauso wenig gespart werden, wie an der richtigen und guten Ausrüstung.", so der heutige Kommandant, Christoph Möck, der von seinem Vorgänger einen Leitsatz übernommen hat: "Ein Atemschutzgeräteträger bei der Feuerwehr Markt Donaustauf wird immer die beste Ausrüstung haben". Eine Konsequenz aus diesem Einsatz war u.a. die Beschaffung einer Wärmebildkamera. Jahr für Jahr wird versucht die Kleidung zu optimieren und regelmäßig zu erneuern. Damals waren beispielsweise keine Feuerschutzhauben vorhanden, diese wurden erst nach dem Unfall beschafft. 1998 befanden sich bei der Feuerwehr Donaustauf der Atemschutz sowie die Einsatzkleidung in einer Umstellungsphase. Christian Sendlbeck, war bei diesem Einsatz der erste Kamerad, der bereits die Einsatzkleidung "Bayern2000" trug (Anm.: entspricht nicht der EN 469, bestand aber zumindest teilweise aus Aramaidfasern), die restlichen Kameraden nutzten noch den alten grauen "B2-Anzug" aus Wolle.

Die Ausbildung sowie die Dokumentation, die für den Atemschutz unerlässlich ist, wurden schon damals gewissenhaft geführt. So konnte jede Übung, jeder Einsatz mit einem Atemschutzgerät zugeordnet werden. Auch besuchten alle Kameradinnen und Kameraden, die erforderlichen Übungen usw. Die Dokumentation wurde damals direkt durch die ermittelnde Polizeibehörde beschlagnahmt und untersucht. Diese Dokumentationspflicht und die Verantwortung für alle Feuerwehrangehörigen ist absolut unerlässlich. In Donaustauf sind auch im Jahr 2018, unter der Führung eines neuen Kommandanten, gewissenhafte Atemschutzgeräteträger und eine akribische Dokumentation eine Selbstverständlichkeit. Christoph Möck, Kommandant: "Deswegen sollte wirklich darauf geachtet werden. Lieber schicke ich eine Atemschutzgeräteträgerin oder Atemschutzgeräteträger nicht in den Einsatz und fordere eine andere Feuerwehr zur Einsatzstelle nach. Dies sollte sich jeder Kommandant oder Einheitsführer zu Herzen nehmen. Hier sind die Einsatzvorbereitung und die ständige Kontrolle der Nachweise unerlässlich. Letztendlich haftet niemand anderes als der Kommandant hierfür, egal ob es einen Atemschutzbeauftragten gibt oder nicht."

Dankeschön an die Feuerwehr Donaustauf für den offenen Umgang, genau daraus lernen wir alle.

- Rauchgasexplosion - ein verletzter FA

Melle (Nds). In Melle ereignete sich eine Rauchgas-Explosion mit Folgen, die nicht sein müssten. Über die automatische Brandmeldeanlage eines mittelständischen holzverarbeitenden Betriebes erhielt die FEL eine Feuermeldung. Beim Eintreffen des ersten TLF drang Rauch aus dem Entleerungstrichter des Spänebunkers aus. Im weiteren Einsatzverlauf wurde ein Firmenmitarbeiter und ein Feuerwehrmann von einer Feuerwalze erfasst. Der Firmenmitarbeiter hatte Verbrennungen 2. Grades und der Feuerwehrmann 2. bis 3. Grades. Seine Jacke (orange, leichte Einsatzjacke) hat nicht gebrannt, jedoch mangelhaft gegen die starke Hitze geschützt. Von den einfachen Fw-Arbeitshandschuhen hat der rechte teilweise gebrannt und so Verletzungen am rechten Arm verursacht.

Quelle: Feuerwehr-Kurier 12/98, Flohre, Seiten 13-15

- Kellerbrand - ein getöteter FA

(bl) Wien (Österreich). Von den alarmierten Löschkräften wird nach dem Erreichen der Einsatzstelle festgestellt, dass der gesamte Keller sowie der Gangbereich eines Wohnobjektes dicht verraucht sind. Vom Universallöschfahrzeug "Hernals" wird ein Atemschutztrupp, bestehend aus BM Tindl und zwei Oberfeuerwehrmännern gestellt. Dieser Trupp marschiert zunächst mit einem Rohr in den Keller ein. Von der restlichen Mannschaft werden Bewohner des Objektes mit Fluchtfiltermasken evakuiert; sechs Personen müssen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung an den Rettungsdienst übergeben werden. Der Atemschutztrupp wird durch die starke Hitzeentwicklung schon nach kurzer Zeit zum Rückzug aus dem Keller gezwungen. In der Folge werden zwei Mittelschaumrohre vorgenommen. Mit einem Schaumrohr marschiert der Atemschutztrupp wieder in den Keller ein, mit dem zweiten wird versucht, von einem hofseitigen Fenster aus den Keller zu fluten. Dem Atemschutztrupp gelingt es zunächst, das Schaumrohr bis zum Brandherd kriechend vorzutragen und dort wieder mit der Löschtätigkeit zu beginnen. Es brennen Gerümpel und Autoreifen, wodurch absolut keine Sicht mehr vorhanden ist. Die Wärmestrahlung ist so enorm, dass nur in fast liegender Stellung gelöscht werden kann. Kurze Zeit später stürzen Mauerteile einer Zwischenwand - vermutlich aufgrund des abgebrannten Holztürstockes, welcher bis dahin der Mauer Halt gab - herab und treffen die Männer des Atemschutztrupps. Durch diesen Umstand wird der Trupp getrennt und verliert die Schlauchleitung, welche nicht wieder gefunden werden kann. Einem OFM gelingt es, die Kellerstiegen zu erreichen, als er jedoch feststellt, dass die übrigen Truppmitglieder fehlen, geht er zurück in Richtung Brandstelle. Der zweite OFM kriecht zwischenzeitlich - durch den Vorfall desorientiert - in die falsche Richtung. Er kann in letzter Sekunde gerettet werden. BM Tindl dürfte, getroffen durch herabstürzenden Teile und das laute, dumpfe Geräusch, die Orientierung verloren haben. Er gelangte in ein schräg hinter ihm befindliches offen stehendes Kellerabteil. In diesem Abteil befinden sich unter anderem ein Motorblock, eine Waschmaschine, ein Heizkonvektor und sperriges Sammelgut. An wegstehenden Teilen des Motorblockes bleibt BM Tindl mit der Bebänderung seines Atemschutzgerätes hängen. Es ist ihm nicht möglich, sich aus dieser Situation zu befreien und sein Atemluftvorrat geht zu Ende. Zwischenzeitlich begibt sich ein Rettungstrupp mit einem Rohr in den Keller. Jetzt kommt die äußerst komplizierte bauliche Situation zum Tragen. Durch eine weitere Öffnung in der Mauer des Brandraumes ist die Hitzeeinwirkung auf den einmarschierenden Atemschutztrupp von der falschen Seite spürbar. Der Trupp dringt daher zunächst in die falsche Richtung vor und kehrt erst um, als die Hitze nachlässt. Wenig später gelangen die Atemschutzträger schließlich zum Brandort, wo es gelingt, den Brand vorerst abzulöschen. BM Tindl kann zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht gefunden werden. Da ein Gerät bereits auf Reserve ist, muss der Trupp den Keller verlassen. Zeitgleich werden weitere Atemschutzträger in den Keller geschickt, wo BM Tindl schließlich von zwei Kollegen aufgrund des noch immer leuchtenden Scheinwerfers gefunden wird. Beim Auffinden hat BM Tindl keinen Helm und keine Atemschutzmaske mehr auf. Da er am Motorblock verhängt ist, gestaltet sich die Bergung schwierig. Vom Rettungsdienst, der den Verunfallten übernimmt, sind bereits alle Vorbereitungen für eine Reanimation getroffen und das Allgemeine Krankenhaus verständigt worden. Brandmeister Wilhelm Tindl wird sofort in das AKH gebracht, wo er trotz aller menschenmöglichen Bemühungen um 17:00 Uhr stirbt.

Quelle: FIREFIGHTER - Das Online-Magazin der Wiener Berufsfeuerwehr