Ausbildungsunfälle im Jahr 2019

(3 verletzte FA)

Hinweis: in der Statistik sind auch Unfälle enthalten die bisher nicht veröffentlicht wurden. Daher kann es vorkommen, dass die Gesamtzahl der betroffenen FA die Summe der in den Berichten erwähnten übersteigt.


- Realbrandausbildung - Verbrühung - ein verletzter FA

Unfallbericht(bl) Mertert-Wasserbillig (Luxemburg). Im Rahmen einer Realbrandausbildung kam es zu einer Verbrühung zweiten Grades an einer Hand.

Nach der Reformierung des Feuerwehrwesens in Luxemburg, entstand das Corps grand-ducal d'incendie et de secours (CGDIS). Wie im Gesetz vom 27. März 2018 vorgesehen, wurde die Direction médicale et de la santé vom Generaldirektor mit der Koordination der Erfassung, der Begleitung und der Aufarbeitung des Unfalls beauftragt. Wenige Tage nach dem Unfallereignis beauftragte das CGDIS Atemschutzunfaelle.eu als externen Dienstleister. Ziel war die sicherheitswissenschaftliche Unfallanalyse und die Erarbeitung der zu ziehenden Lehren.

Bereits am 28./29. Juni 2019 wurde ein Vor-Ort-Termin mit Atemschutzunfaelle.eu organisiert. Neben der Sichtung sämtlicher Dokumente (Unfallbericht, Zwischenfallregister, Ausbildungskonzepte etc.) wurden für die Rekonstruktion des Unfalltages Gespräche in der Gruppe und Einzelinterviews mit Instruktoren, dem Unfallopfer sowie den Teilnehmern geführt. Im Anschluss erfolgte die Inaugenscheinnahme des Unfallortes sowie der beschädigten Schutzausrüstung. Mit der TRIPOD-Methodik wurden im Nachgang Unfallursachen und fehlende bzw. unwirksame Barrieren identifiziert. Aus dieser Analyse wurden Maßnahmen abgeleitet, wie künftig derartige und ähnliche Unfälle vermieden werden können. Der Report wurde dem CGDIS am 24./25. Januar 2020 überreicht. An zwei Terminen wurden dem Unfallopfer, den Teilnehmern, den Realbrandausbildern, dem Chef der Ausbildung, den Offizieren im operativen Einsatzdienst und der Direktion des CGDIS der umfangreiche Unfallbericht präsentiert. Anschließend spiegelten die Verantwortlichen den aktuellen Stand und Möglichkeiten zur Verbesserung der Arbeitssicherheit.

ÜbersichtHandschuhZusammenfassung:

Zum Abschluss einer Realbrandausbildung wurde eine kurze Demonstration der Wasserdampfausbreitung durchgeführt. Ein Trainer gab im Erdgeschoss für wenige Sekunden Wasser auf die Brandstelle. Durch Einwirkung von Wasserdampf zog sich ein Feuerwehrangehöriger im Obergeschoss der zweigeschossigen Anlage Verbrühungen 2. Grades an Handrücken und Handfläche der linken Hand zu. Der Verletzte trug einen 15 Jahre alten Schutzhandschuh, der als Reservehandschuh mitgeführt wurde. Der eigentlich vorgesehene Handschuh war aufgrund der vorangegangenen Durchgänge durchnässt und wurde daher gewechselt.

Empfohlene Maßnahmen:

Darüber hinaus wurden weitere Maßnahmen allgemeiner Natur vorgeschlagen:

Einige Maßnahmen wurden in Teilen bereits in einem DEKRA-Gutachten zum technischen Betrieb der RAGTAL (Regionale Atemschutzgeräteträger-Ausbildungsanlage Luxemburg) beschrieben, eine entsprechende Synopse enthält der Unfallbericht. Abschließend bleibt festzuhalten, dass mit der hier gewählten Form der Unfallaufbereitung das CGDIS vorbildlich gehandelt hat. Das CGDIS kann mit der Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen die bestmöglichen Konsequenzen aus diesem Unfall ziehen.

Aktuelle Planungen im CGDIS:

Anmerkung: Wir bitten um Verständnis, dass der Unfallbericht nicht mit allen Details veröffentlicht werden kann.

Quelle: Unfallbericht, erstellt durch Atemschutzunfaelle.eu im Auftrag des Corps grand-ducal d'incendie et de secours

- Unfall in Atemschutzübungsanlage - 1 verletzte FA

(reb) Landkreis Würzburg (Bayern). Bei einem routinemäßigen Übungsdurchgang in der Atemschutzübungsanlage des Lkr. Würzburg hat sich ein schmerzhafter Unfall ereignet. Kurz nach dem Einstieg über eine Leiter in die Atemschutzübungsanlage musste eine Teilnehmerin auf eine 45° abfallende schiefe Ebene übersteigen. Diese ist mit Querträgern, die ca. 3 cm hoch sind, versehen. Die Kanten sind ca. 5mm im 45°-Winkel gefast (sog. Hühnerleiter).

Beim Übersteigen verdrehte sich die Teilnehmerin das linke Knie das zu diesem Zeitpunkt als Standbein diente, während sie versuchte das zweite Bein zur Entlastung nach zu ziehen. Bei der Verdrehung kugelte sie sich die Kniescheibe aus und die Kreuzbänder wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Durch die starken Schmerzen war es der Teilnehmerin nicht möglich sich alleine aus der Lage zu befreien um aus der Anlage heraus zu kommen. Die diensthabenden Kreisbrandmeister öffneten die Seitengitter der Anlage um ihr zu Hilfe zu eilen. In ca. 2 Meter Höhe haben sie den PA abgenommen um ihr die Lage zu erleichtern. Durch eine Querstrebe, die der Aufnahme der Seitengitter dient, konnte die Teilnehmerin nicht aus der Anlage steigen. So musste sie schonend ca. 2 Meter über die Schräge nach unten rutschen um die Anlage verlassen zu können. Um das Bein zu entlasten wurde sie von den Kollegen durch Abstützmaßnahmen, die sich durch die Höhe und die schlechte Zugänglichkeit schwierig gestalteten, entlastet und langsam abgelassen um am unteren Ende der Schräge aus der Anlage zu steigen. Eine Belastung des linken Beines war nicht mehr möglich. Sie wurde mit dem Rettungsdienst in ein Krankenhaus zur weiteren Behandlung gebracht.

Quelle: Fachbereich Atemschutz, Kreisbrandinspektion Würzburg